Wiederverwertbarkeit

Naturwissenschaftler und Informatiker haben eines gemeinsam: Sie versuchen bestimmte Sachverhalte möglichst präzise beschreiben zu können. Ohne dieses Verständnis wären technische Anwendungen – „sinnvolle“ wie „nicht sinnvolle“ – nicht möglich.

Mich wundert ja, wie wenig nach wie vor in der Gesellschaft über freie Wissensportale und Publikationsmöglichkeiten diskutiert wird. Zur ersten Rubrik zähle ich nicht nur Wikipedia, sondern beispielsweise auch Stackoverflow. Diese Seite stellt eine sehr nützliche Sammlung von Programmier-Problemen und ihren Lösungen dar (ebenso gibt es Stackexchange für andere Fachbereiche). Solche Fundgruben können – beispielsweise in Kombination mit Sphinx und der darauf aufbauenden Dokumentations-Sammlung Readthedocs – ganze Fachbücher ersetzen.

„Klassische“ Fachbücher bilden ohnehin nur einen temporären, begrenzten sowie sich oftmals überschneidenden Kenntnisstand ab und können dabei nicht ohne erhebliche Einschränkungen von Außenstehenden erweitert oder abgeändert werden. Die beide aus der Open-Source-Bewegung stammenden Projekte hingegen punkten deutlich hinsichtlich ihrer Aktualität, ihrer Zugriffsgeschwindigkeit und vor allem hinsichtlich ihrer Wiederverwertbarkeit:

  • Ein Lehrbuch, das nicht unter einer Creative-Commons-Lizenz steht, kann aufgrund des geltenden Urheberrechts nur mit erheblichen Einschränkungen als Grundlage für ein anderes Projekt dienen. Das Rad muss dadurch immer wieder neu erfunden werden, zeitaufwendige Graphiken immer wieder erneut erstellt werden. Bessere Alternativen können in diesem Bereich freie Lehrbücher und leicht wieder verwertbare SVG-Graphiken sein.
  • Auch ein freies Lehrbuch, das unter einer Creative-Commons-Lizenz steht, ist nur bedingt wiederverwertbar, sofern nicht ebenfalls der Quellcode frei verfügbar ist. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn mathematische Formeln aufwendig neu einzugeben sind oder Graphiken in anderer Auflösung oder Farbgebung benötigt werden. Abhilfe können hier wiederum SVG-Graphiken und Quelltexte mit einer einfach wiederverwertbaren Syntax, beispielsweise RestructuredText sein.

Auch wenn beide Punkte an sich trivial klingen, so schaffen sie im Alltag viel Arbeit. Um mir diese in wenigstens einem Punkt zu erleichtern, habe ich ein kleines Shell-Skript namens pdfrm geschrieben, mit dessen Hilfe sich nicht benötigte Seiten aus PDF-Dateien schnell und einfach entfernen lassen:

# Entferne aus der angegebenen Datei die Seiten 1-20 sowie 22 und 24:
pdfrm filename.pdf 1-20 22 24

Wichtig: Von der PDF-Datei sollte man vorab eine Kopie in einem Original-Ordner anlegen, da das Skript die angegebenen Seiten direkt aus der Eingabedatei löscht. Auf diese Weise erspart man sich beim Lesen dafür das Verwalten von Notizen darüber, in welchem Buch man schon bis zu welcher Stelle gekommen ist.. ;-)

Hier ein Link zum Skript: pdfrm

Hinweis: Das Skript basiert auf Python 3 und pdftk und sollte, sofern diese Pakete installiert sind, auf allen Linux-Systemen lauffähig sein. Persönlich habe ich die Skriptdatei mit chmod +x pdfrm ausführbar gemacht und im Ordner ~/bin abgelegt, da dieser bei mir im Linux-Systempfad enthalten ist und die darin enthaltenen Programme direkt aufgerufen werden können.