Einleitung

Ohne gute Werkzeuge und ein hilfsbereites Team macht jede Arbeit nur halb so viel Spaß. An dieser Stelle möchte ich daher kurz festhalten, welche Prinzipien und technischen Eigenschaften mich von Linux und dem Open-Source-Gedanken überzeugt haben und welche Anwendungen und Skripte mir seitdem in vielen Situationen weiter geholfen haben.

Grundgedanken von Open Source

Open Source kann als ein gemeinschaftliches Prinzip der Zusammenarbeit verstanden werden – es ist daher auch nicht an ein spezielles Betriebsystem gebunden. Zahlreiche Open-Source Programme wie beispielsweise Firefox, Thunderbird, Open Office, VLC, Gimp , und Inkscape, sind inzwischen auf vielen Betriebsystemen anzufinden.[1] Am bekanntesten wurde die Open-Source-Mentalität allerdings durch Linux, welches vollständig auf freier Software aufbaut.

Jeder darf sich freie Software und Betriebsysteme kostenlos herunterladen, benutzen und (je nach Lizenz) auch modifizieren. Eine Übersicht über zahlreiche Open-Source-Programme bietet – unabhängig vom Betriebsystem – beispielsweise Sourceforge. Eine Übersicht über Linux-Software bietet beispielsweise das Ubuntuusers-Wiki.

Die Geschichtliche Entwicklung von Open Source und Linux

Die Open-Source-Bewegung entstand, als einige Software-Firmen damit begannen, ihren Kunden Software nicht mehr in Form von Quellcode, sondern als bereits in Maschinencode umgewandelte Programme zu verkaufen. Diese waren zwar für Computer, jedoch nicht mehr für Menschen lesbar.

Etliche Programmierer befürchteten dabei vor allem einen Kontrollverlust auf Seiten der Kunden und kritisierten den mangelnden Informationsfluss seitens der Software-Hersteller. Darüber hinaus wurde – in Kombination mit der Patentierung von „geistigem Eigentum“ – die Gleichberechtigung der Programmierer als gefährdet angesehen. Das Know-How, so fürchtete man, würde sich schnell nur auf wenige Firmen konzentrieren.

Um nun derartigen Patentierungen von Informationen und den daraus resultierenden technischen und rechtlichen Problemen entgegenzuwirken, wurden unter anderem die „Open-Source“-Bewegung und die „Free Software Foundation“ ins Leben gerufen und mit der Entwicklung gemeinschaftlicher, frei verfügbarer Software begonnen.[2]

In den 1970er und 1980er Jahren entstand so das zahlreiche freie Software umfassende GNU-Projekt, das sogar eine eigene Lizenz-Regelung (GNU General Public License (GPL)) mit sich brachte. Die Grundgedanken, die Quellcode-Bibliotheken sowie die rechtlichen Grundlagen stellten letztlich in den 1990er Jahren die Basis für das neue Betriebsystem „Linux“ dar.[3]

„Free Speech“ und „Free Beer“

Bei Open-Source-Software darf stets der Quellcode frei eingesehen werden; man kann derartige Software somit stets gratis herunterladen, installieren, und als Privatanwender ohne weitere Einschränkungen komplett legal nutzen.

„Freiheit“ ist allerdings ein schwer festzulegender Begriff; es gibt beispielsweise große Unterschiede zwischen einer Rede-Freiheit (Free Speech) und Freibier (Free Beer). Überträgt man diesen Vergleich auf Open-Source-Software, so kann man sagen, dass für sämtliche Open-Source-Software stets das erstere Prinzip gilt: Der Quellcode ist stets frei zugänglich, man kann also jederzeit „sehen“, wie die jeweiligen Programme funktionieren, und sie folglich auch legal herunterladen und installieren.

Auf die einzelnen Lizenzen achten muss man hingegen, wenn der Quellcode von einzelnen Programmen modifiziert beziehungsweise um zusätzliche Funktionalitäten erweitert werden soll. Der Quellcode „gehört“ einem nämlich nicht (im Sinne von „Free Beer“), so dass man diesen beispielsweise nicht einfach Code hinzufügen und das Resultat dann als eigenes Programm (womöglich sogar ohne Veröffentlichung des modifizierten Quellcodes) auf einem Webserver einsetzen oder gar verkaufen darf.

Die wichtigsten Open-Source-Lizenzen sind folgende:

  • Unter einer GPL-Lizenz stehende Programme dürfen jederzeit (auch kommerziell) frei genutzt werden; Änderungen am Quellcode müssen allerdings ebenfalls wieder unter einer GPL-Lizenz stehen (Copyleft-Prinzip). GPL-Code darf zudem nicht in andere, propietäre Software eingebaut werden.
  • Unter einer LGPL beziehungsweise Apache-Lizenz stehende Programme dürfen ebenfalls frei genutzt werden; Änderungen und Erweiterungen dürfen allerdings auch unter anderen Lizenzen stehen. Diese Lizenzen weichen somit das Copyleft-Prinzip auf und erlauben auch propietäre Erweiterungen (bei denen die Nutzer dann wiederum auf die jeweiligen Lizenz-Texte achten müssen).
  • Bei Werken, die unter einer Creative-Commons-Lizenz (CCL) stehen (oftmals Bücher, Texte, Bilder, usw.), gibt es verschiedene „Freiheitsgrade“, die der Urheber des Werks selbst festlegen kann. Wird beispielsweise der Zusatz „nd“ (No Derivatives“) verwendet, so darf das Werk zwar genutzt, aber nicht modifiziert werden; wird andererseitst der Zusatz „nc“ (Non-Commercial) verwendet, so wird eine kommerzielle Nutzung untersagt.

Nutzen, Verstehen, Mitmachen!

Die Linux- und Open-Source-Gemeinschaft lädt nicht nur dazu ein, eine Vielzahl an Programmen frei herunterzuladen und zu nutzen – sie ist gleichzeitig darum bemüht, den Nutzern die Vorteile von Open-Source-Projekten sowie die Funktionsweise von Software verständlich zu machen. In einem Team, in dem ein jeder von der Arbeit aller anderen profitiert, sind weitere „Kollegen“ schließlich jederzeit willkommen.. :-)

Mit Linux als Betriebsystem hat jeder Nutzer die Möglichkeit, sich den Quellcode von anderen Programmierern anzuschauen und – durch Lesen und eigenes Code-Schreiben – auch selbst ein Software-Entwickler zu werden.

Doch nicht nur Quellcode ist von Bedeutung: Alle Informationen, die unter einer gemeinnützigen Lizenz wie der Creative-Commons-License (CCL) oder der General Public License (GPL) veröffentlicht werden, tragen zum frei abrufbaren Wissensschatz und somit zum Gemeinwohl der Gesellschaft bei!


Anmerkungen:

[1]Geschichtlich interessant zum Verständnis von Open Source und Linux ist auch der Essay „Die Kathedrale und der Basar“ von Eric Raymond, der letztlich zu einer quellfreien Veröffentlichung des „Netscape Navigator“ – dem Vorläufer von Mozilla Firefox – und zu einem Umdenken in der Industrie geführt hat.
[2]Diese beide Initiativen werden bisweilen mit dem Begriff „FOSS“ (Free and Open Source Software) zusammengefasst.
[3]

Die wohl wichtigsten Prinzipien sind in einem Aufsatz von Chistian Imhorst zusammengefasst:

Der Programmierer freier Software verschenkt mit der GPL die Kontrolle über sein Werk, nicht aber das Werk als solches. Er behält die Autorenschaft über sein Programm. Dem Benutzer der Software wiederum werden bestimmte Freiheiten gewährt, wie die Freiheit das Werk zu modifizieren und verändert zu veröffentlichen. An diese Freiheit ist nur eine Bedingung geknüpft: Das veränderte Werk muss wieder unter der GPL stehen. (…) Freie Software soll nicht Eigentum eines Einzelnen, sondern das Eigentum von allen sein.

(…)

Niemand ist vom Eigentum an GPL-Software ausgeschlossen. Ihre Verbreitung kann deshalb von niemandem kontrolliert werden. Wer sie haben möchte, kann sie einfach kopieren und weitergeben, wodurch die Verfügbarkeit von GPL-Software sehr schnell wächst. Die GPL verhindert zwar, dass Menschen von dem Gebrauch freier Software ausgeschlossen werden, aber sie schließt auf der anderen Seite ebenfalls aus, dass jemand aus freier Software proprietäre macht. Niemand kann daran gehindert werden, das freie Betriebssystem GNU/Linux zu benutzen, und niemandem kann es weggenommen werden. Jeder, der GNU/Linux aus dem Internet herunter lädt, auf seinen Rechner installiert, Kopien davon verschenkt oder verkauft, dem gehört es auch.

In diesem Sinne ist die GPL eher eine Anti-Lizenz, weshalb Richard Stallman von ihr auch lieber als Copyleft spricht anstatt von einem Copyright.

—Christian Imhorst

Quellcode sollte nach dieser Ethik geteilt, also ohne Hindernisse ausgetauscht und für jeden frei zugänglich gemacht werden. So wurden ähnliche Lizenzen wie die Creative Commons Licencse auch für Bücher und Musik geschaffen – das berühmteste Projekt mit einer solchen Lizenz ist wohl Wikipedia.